Drei Tage Wien, drei Tage KI-Power.
Das AI Superevent 2025 versprach viel:
- spannende Keynotes,
- konkrete Use Cases,
- Networking und
- die neuesten Tools.
Und ja – es gab sie, die Highlights. Aber ebenso auch Momente, die weniger inspirierten. Genau das macht eine ehrliche Rückschau spannend: Wo steckt Substanz, und wo war es doch mehr Show?
Tag 2 – Zwischen Automatisierung, Agenten und harten Stühlen
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen von KI-Agenten. Spannend, weil genau dieses Thema in den kommenden Jahren entscheidend werden dürfte: digitale Mitarbeiter, die selbstständig Aufgaben übernehmen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Vortrag von Roger. Er erzählte, wie seine Agentur dank KI und Automatisierung die 4-Tage-Woche eingeführt hat. Beeindruckend war weniger der technische Tiefgang als vielmehr die Praxisnähe: Er gab zu, dass die Einführung Zeit und Nerven gekostet hat (bis zu 30 % seiner Arbeitszeit während der Aufbauphase), doch am Ende stand eine enorme Freiheit. Besonders cool fand ich seine Beispiele: automatische Zusammenfassungen von Meetings, sodass er gar nicht mehr anwesend sein muss, oder Workflows, die ihn nach den Ferien sofort updaten, was alles passiert ist. Solche Cases sind inspirierend, weil man sie direkt auf das eigene Business übertragen kann.
Andere Beiträge waren leider weniger klar strukturiert. Manche Speaker verloren sich im Wirrwarr ihrer Slides oder stellten Dinge vor, die wenig neu wirkten. Gleichzeitig zeigte sich aber: n8n als Workflow-Tool ist extrem mächtig. Ob Rechnungseingang automatisch umbenennen und ablegen oder LinkedIn-Posts automatisch erstellen und veröffentlichen – die Beispiele verdeutlichten, wie viel Potenzial noch brachliegt.
👉 Ich persönlich finde: Automatisches Posten von Inhalten ist sinnvoll und sollte genutzt werden, um ein Grundrauschen zu erzeugen. Aber je nach Nische ist es wichtig, zusätzlich auch persönlich gestaltete Inhalte einzubringen. KI kann Texte zwar inzwischen sehr menschlich wirken lassen – und in manchen Bereichen fällt es gar nicht auf, wenn 100 % der Inhalte maschinell erzeugt sind. In einer Nische wie der KI-Branche selbst, wo fast alle mit KI-Inhalten arbeiten, macht das jedoch schnell austauschbar. Genau hier braucht es eine Mischung aus Automation und echter Persönlichkeit. Eine gut trainierte KI kann viel leisten, doch ganz ohne persönliche Akzente bleiben wir irgendwann stehen – auf dem Niveau, auf dem die KI einmal trainiert wurde. Dann besteht die Gefahr, dass Plattformen wie LinkedIn nur noch aus maschinengenerierten Beiträgen bestehen, ohne echten Fortschritt oder neue Gedanken.
Tag 3 – Von Female AI Spotlight bis GEO-Optimierung
Am dritten Tag haben wir den Anfang verpasst und kamen erst gegen 10 Uhr ins Event. Das Female AI Spotlight bekamen wir also nur teilweise mit – und ehrlich gesagt: Es war eher lahm. Statt konkreter Use Cases gab es mehr Motivationsreden. Was mich besonders störte: Während drinnen Frauen über ihre Projekte sprachen, saßen draußen viele Männer beim Kaffee und schienen sich nicht dafür zu interessieren. Dabei geht das Thema alle etwas an.
Die geplante E-Commerce-Erfolgsgeschichte fiel leider aus – sehr schade, denn genau dort hätte Praxisnähe entstehen können. Danach folgte die Session zu GEO (Generative Engine Optimization). Erwartet hatte ich spannende Einblicke, wie man Webseiten für Chatbots optimiert. Bekommen habe ich am Ende eher eine klassische SEO-Session: Keywords, Struktur, Aktualität. Nicht falsch, aber für ein KI-Event auch nicht wirklich neu.
Ein guter Hinweis kam trotzdem: Am Ende eines Blogposts eine FAQ-Sektion einzubauen. Genau das habe ich hier in diesem Artikel umgesetzt.
Das Highlight am Nachmittag: die AI-Browser-Demo. Endlich etwas Frisches! Browser wie Fellou oder Comet von Perplexity wurden vorgestellt, die Recherche, Zusammenfassungen und Navigation mit KI unterstützen. Ein Feld, das sicher noch Fahrt aufnehmen wird.
Pitch & Mentoring
Ein wichtiger Teil des Events drehte sich nicht nur um Tools, sondern auch um das Business dahinter. Raphael, Gründer des AI Training Institute, erzählte offen, wie er durch seinen Mentor Johannes entscheidende Impulse bekam, um das Institut aufzubauen. Johannes wiederum ist ein erfahrener Unternehmer, der selbst schon mehrere siebenstellige Online-Geschäfte aufgebaut hat.
Das klingt beeindruckend – doch für mich blieb ein schaler Beigeschmack: Immer wieder wurden hochpreisige Coachings und Ausbildungen gepitcht. Ganz ehrlich: Wenn ich ein Ticket für ein Event kaufe, dann erwarte ich Mehrwert und Inhalte. Wenn ich etwas verkauft haben möchte, gehe ich auf eine Kaffeefahrt.
Positiv war aber, dass ein Teil dieser Pitches auf ein Frühstück am dritten Tag ausgelagert wurde. Ich war nicht dort, aber nach allem, was ich gehört habe, war es für die Teilnehmenden, die sich bewusst dafür entschieden hatten, durchaus lohnend. Und so wurde ich selbst nicht mit dem Pitch belästigt – das fand ich fair gelöst.
Networking, Location & Wiener Abschluss
Was man dem Event wirklich lassen muss: Das Networking war hervorragend organisiert. QR-Codes auf den Teilnehmer-Badges machten es leicht, Daten auszutauschen. Dazu gab es lange Pausen – mittags mit drei Food-Trucks (Döner, vietnamesisch, indisch) und nachmittags immer mit einer Stunde Kaffee-Zeit. So entstanden viele Gespräche, und die Community war durchweg offen und freundlich.
Die Location selbst war groß und gut mit der U-Bahn erreichbar (ca. 30 Minuten vom Hauptbahnhof mit der U2). Allerdings: Die Stühle waren eine Katastrophe. Für ein dreitägiges Event schlicht zu unbequem – das klingt banal, wird aber spätestens am dritten Tag zum echten Problem. Ich plane im Moment nicht, nächstes Jahr wieder hinzugehen, aber sollte ich meine Meinung ändern, bringe ich auf jeden Fall ein Sitzkissen mit, egal wie alt ich damit aussehe.

Am zweiten Abend ging es für uns ins Bier & Bierli, wo wir ein Wiener Schnitzel bestellten – riesig und köstlich 🥩🍺.

Die Atmosphäre dort war urig, die Bier-Deko sehenswert, und an der Wand hing sogar ein „Recipe for Success“, das ich fotografiert habe:
Recipe for Success (Übersetzung):
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1 Teelöffel Ideen
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½ Tasse Wohlwollen
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1 Prise Positivität
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¾ Tasse Vorstellungskraft
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1 Pfund Leadership
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2 Löffel Teamwork
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1 Tasse Marktvision
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3 Esslöffel Herausforderung
-
1 Beutel Hoffnung
Das Hausbier ist sehr zu empfehlen!


Am dritten Tag gönnten wir uns dann noch einen Stop im legendären Café Demel: Sachertorte, Strudel, Kaiserschmarrn – ein würdiger Abschluss für ein durchwachsenes, aber inspirierendes Event 🍰☕. Bekannt ist das Demel übrigens auch für sein Veilchen-Eis, das angeblich Kaiserin Sissi so sehr mochte – wir haben es allerdings nicht probiert.

Und zu guter Letzt – weil wir wirklich müde waren – habe ich mit NanoBanana noch ein KI-Bild von uns gemacht: zwei erschöpfte Römer-Krieger nach drei Tagen AI-Schlacht. Passender hätte es kaum sein können.

Und dann flogen wir nach Hause. ✈️ Auch dazu habe ich ein Bild generiert, das unseren Flieger wie eine Maschine durch ein Kriegsgebiet zeigt – ein schräger, aber lustiger Abschluss. Wir haben dann aber doch nicht einfach den nächsten genommen 😉 und sind super tapfer eingestiegen – und heil zu Hause angekommen.

FAQ zum AI Superevent
Wie war die Location?
Schön groß, aber etwas außerhalb. Mittags gab es Food-Trucks (Döner, vietnamesisch, indisch). Getränke-Bar top ausgestattet, Kaffee sehr gut.
Für wen ist das Event geeignet?
Für Einsteiger ins Thema KI und für alle, die neue Tools kennenlernen wollen. Viele Vorträge sind auf einem Basic-Level gehalten.
Für wen eher nicht?
Wenn Du schon tief im Thema steckst, könnten Dir die Inhalte zu oberflächlich sein. Auch wer Motivationsreden nicht mag, wird sich schwer tun.
Wie viele Teilnehmer?
Ca. 300–400 Leute, Platz wäre für 590 gewesen – also nicht ausverkauft.
Welche Sprachen?
Alle Vorträge waren auf Deutsch.
Networking?
Sehr gut: QR-Code-Badges, extra Networking-Zeiten, lange Pausen. Die Leute waren offen und hilfsbereit.
Was kostete ein Ticket?
Frühbucher/Bestandskunden ca. 350 €, regulär 650 €, VIP um die 1.300 €.
Wie kommt man hin?
Mit der U2 vom Hauptbahnhof ca. 30 Minuten. ÖV in Wien günstig: Einzelfahrt 2,40 €, Tagesticket 8 €.
Fazit
Das AI Superevent 2025 in Wien war ein Mix aus Hype und echten Impulsen. Nervig waren die ständigen Motivationsreden, die Dauer-Pitches und die unbequemen Stühle. Wertvoll waren die konkreten Use Cases (z. B. von Roger), das Networking und die Einblicke in neue Tools wie AI-Browser oder HeyGen.
Für mich bleibt: Automatisierung funktioniert nur, wenn man einen Prozess nach dem anderen angeht. Und KI ist dann am wertvollsten, wenn sie echte Probleme löst – nicht, wenn sie nur für Applaus sorgt.
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